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Von, mit und für Rheumapatienten

Rheumaschmerzen

Die wichtigsten Fragen rund um den Schmerz bei entzündlichen Gelenkerkrankungen:

  1. Was ist Rheuma?
  2. Was ist rheumatoide Arthritis?
  3. Wie entsteht rheumatoide Arthritis?
  4. Was ist Morbus Bechterew?
  5. Wie entsteht Morbus Bechterew?
  6. Wie verlaufen entzündliche Gelenkerkrankungen?
  7. Wie wird aus akutem Schmerz chronischer Schmerz?
  8. Welche Diagnostik ist nötig?
  9. Was nützt das Schmerzmessen?
  10. Was kann man gegen entzündliche Gelenkerkrankungen tun?
  11. Was sind Basistherapeutika?
  12. Welche Schmerzmittel helfen bei entzündlichen Gelenkerkrankungen?
  13. Wann helfen Spritzen in die Gelenke?
  14. Welche Bewegungstherapie ist wirksam?
  15. Welche medizinischen Maßnahmen gibt es außer Medikamenten?
  16. Welche verhaltensmedizinischen Maßnahmen gehören zur multimodalen Schmerztherapie?
  17. Welche Ernährung wirkt sich günstig aus?
  18. Sind Nahrungsergänzungsmittel empfehlenswert?
  19. Was kann man bei rheumatoider Arthritis operativ erreichen?
  20. Was kann man bei Morbus Bechterew operativ erreichen?

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1. Was ist Rheuma?

RheumaschmerzenUnter dem Begriff „Rheuma“ erfassen Mediziner eine Gruppe von über 400 höchst unterschiedlichen Erkrankungen der Gelenke, Knochen, Muskeln, Sehnen und Bänder, die mit starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergehen. Sie sprechen daher von „Erkrankungen des rheumatoiden Formenkreises“. Dazu gehören beispielsweise rheumatoide Arthritis, verschleißbedingte Arthrose, Fibromyalgie oder Gicht. Weil Diagnose und Therapie bei den einzelnen Krankheitsbildern sehr unterschiedlich sind, beschreibt diese Patienteninformation ausschließlich die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Die häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen sind die rheumatoide Arthritis und der Morbus Bechterew: In Deutschland leiden etwa 800 000 Menschen an rheumatoider Arthritis, Frauen erkranken daran dreimal so häufig wie Männer. Bei Morbus Bechterew ist es umgekehrt: von den etwa 400 000 in Deutschland erkrankten Menschen sind ungefähr 300 000 Männer.

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2. Was ist rheumatoide Arthritis?

Die rheumatoide Arthritis ist eine sogenannte Autoimmunkrankheit: Bestimmte Zellen der körpereigenen Abwehr greifen die Innenhaut der Gelenke an und entfachen an den Gelenken - meist sind Hände und Füße betroffen - eine schmerzhafte Entzündung, die sich meist durch Morgensteifigkeit, Schwellungen und Schmerzen der betroffenen Gelenke bemerkbar macht. Im Gegensatz zur Gicht sind die Finger- und Zehenendgelenke nicht betroffen. Die rheumatoide Arthritis wird auch Polyarthritis genannt, weil im Laufe der Erkrankung immer mehr Gelenke angegriffen werden. Die Krankheit verläuft in Schüben. Ein Schub dauert einige Wochen bis Monate. Zwischen den Schüben lassen die Beschwerden nach.

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3. Wie entsteht rheumatoide Arthritis?

Rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Warum Menschen daran erkranken, ist noch nicht genau erforscht. Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine genetische Veranlagung und äußere Einflüsse, beispielsweise Entzündungen, eine Fehlsteuerung der körpereigenen Abwehr begünstigen. Abwehrzellen, die eigentlich körperfremde Eindringlinge bekämpfen sollen, dringen in die Gelenkinnenhaut ein und produzieren dort Botenstoffe, Abwehrmoleküle und Eiweißmoleküle, die das eigene Knorpelgewebe angreifen. Dieses überzieht die Knochenenden an allen Gelenken und ermöglicht so das Beugen und Stecken. Schreitet die Krankheit fort, greift die Entzündung auf die Knochen über. Die Knochenenden wachsen zusammen, die Gelenke versteifen sich.

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4. Was ist Morbus Bechterew?

Bei Morbus Bechterew, einer entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung, ist meist das Iliosakralgelenk, welches das Kreuzbein mit dem Darmbein verbindet, betroffen. Die ersten Anzeichen sind nächtliche Schmerzen im unteren Rückenbereich und ein steifer Rücken am Morgen. Im Deutschen hat sich die Bezeichnung Morbus Bechterew nach dem russischen Neurologen Wladimir Bechterew durchgesetzt. Mediziner sprechen auch von „ankylosierender Spondylitis“. Der Begriff griechischen Ursprungs bedeutet etwa „sich versteifende entzündete Wirbelsäule“. Bei vielen Menschen treten im Krankheitsverlauf Entzündungen des Hüft- und Kniegelenks oder der Finger- und Zehgelenke auf. Auch zusätzliche Entzündungen der Achillessehne und der Regenbogenhaut können auf Morbus Bechterew hinweisen. 

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5. Wie entsteht Morbus Bechterew?

Auch bei Morbus Bechterew spielt die Vererbung eine Rolle. Ebenso wie die rheumatoide Arthritis, zählt auch Morbus Bechterew zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Das bedeutet, dass Zellen des Immunsystems – also der körpereigenen Abwehr – anstelle von Bakterien oder Viren körpereigene Strukturen angreifen. Bei Morbus Bechterew zielt diese Attacke meist auf das Iliosakralgelenk am unteren Rücken, welches das Kreuzbein mit dem Darmbein verbindet. Die Entzündung zerstört das Bindegewebe und den Knorpel, das Rückgrat verknöchert und versteift, im Spätstadium entsteht ein typischer Rundrücken. Manchmal greift die Entzündung von den Wirbelgelenken auf andere Gelenke, Sehnen oder Bänder über.

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6. Wie verlaufen entzündliche Gelenkerkrankungen?

Entzündliche Gelenkerkrankungen sind unberechenbar. Sie verlaufen im Einzelfall sehr unterschiedlich. Typisch ist der Verlauf in Schüben, wobei manchen Patienten nur ein einziger Schub widerfährt, bei anderen kehren die Beschwerden wieder, bei manchen schreitet die Erkrankung ständig fort, bis hin zur Verknöcherung von Wirbelsäule und Gelenken. Sie kann aber auch in jeder Phase zum Stillstand kommen. Die Schmerzen spiegeln nicht das Stadium des Leidens wider. Es können bei stärksten Schmerzen auf dem Röntgenbild kaum Veränderungen an Gelenken oder Wirbelsäule sichtbar sein und umgekehrt: Obwohl der Knorpelabbau bereits fortgeschritten ist, treten kaum Schmerzen auf.

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7. Wie wird aus akutem Schmerz chronischer Schmerz?

Wie bei allen schmerzhaften Erkrankungen, werden auch bei entzündlichen Gelenkerkrankungen die Schmerzen nicht nur von der Krankheit erzeugt. Persönliche Eigenheiten wie Schmerzempfindlichkeit sowie der individuelle Umgang mit Stress und Angst beeinflussen die Entstehung von Schmerzen. Eine typische Reaktion auf akuten Schmerz sind beispielsweise Schonhaltungen. Um den Schmerz nicht zu provozieren, meiden Patienten bestimmte Bewegungen. Bei länger anhaltenden Schmerzen entwickelt sich dieses Vermeidungsverhalten zum Schmerzverstärker: Mangelnde Bewegung schwächt und verändert Muskeln, Gelenke und Bänder und fördert so Fehlhaltungen, Verspannungen und erneute Schmerzen. Bei akuten Schmerzen neigen viele Menschen dazu, auch soziale Aktivitäten zu meiden. Aus Furcht, die Schmerzen zu verschlimmern, treiben sie keinen Sport mehr und gehen nicht mehr aus. Doch tatsächlich erreichen sie damit langfristig das Gegenteil: Mit dem Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben geht Lebensfreude verloren, was wiederum Angst und Depressionen begünstigt. Damit schließt sich ein Teufelskreis aus Angst und Schmerzverstärkung.

 

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8. Welche Diagnostik ist nötig?

Bei Rücken- und Gelenkschmerz, der mit eingeschränkter Beweglichkeit einhergeht, gleicht die Diagnostik einem Puzzle. Zahlreiche Untersuchungen sind nötig, bis der exakte Befund feststeht. So vergeht bei rheumatoider Arthritis etwa ein Jahr, bei Morbus Bechterew dauert es durchschnittlich sogar fünf bis sieben Jahre, bis der Patient die genaue Diagnose bekommt. Bei der Anamnese - der Befunderhebung - kann der Patient dem Arzt durch genaue Angaben helfen, der Ursache möglichst schnell auf den Grund zu kommen. Der Arzt benötigt exakte Informationen über Art und Ort des Schmerzes, über die Zeitpunkte und Begleitumstände seines Auftretens. Zu diesem Zweck setzen Schmerztherapeuten auch vor der ersten Untersuchung Schmerzfragebögen ein. Der Patient kann zuhause in Ruhe alle nötigen Informationen zusammentragen. Dazu gehören unter anderem bisherige Behandlungen, andere Erkrankungen, die Entwicklung der Schmerzen. Das Röntgenbild ist zu Beginn der Erkrankung noch nicht aussagekräftig. Die typischen Entzündungen der Gelenke und die Knochenzerstörung werden im Röntgenbild erst sichtbar, wenn die Erkrankung schon relativ weit fortgeschritten ist. Sie können durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchschnittlich zwei Jahre früher dargestellt werden als durch eine Röntgenuntersuchung. Die MRT-Untersuchung ist jedoch sehr teuer und wird daher nicht routinemäßig eingesetzt. Genauere Informationen liefern auch Ultraschalluntersuchungen. Verdickungen der Gelenkinnenhaut kann der Arzt auf dem Monitor bereits im Frühstadium erkennen. Die Blutuntersuchung ergibt in der Regel Hinweise auf Entzündungsprozesse im Körper. Doch bei vielen Patienten mit Morbus Bechterew sind keine solchen Anzeichen vorhanden. In den letzten Jahren hat sich zur Diagnose von Morbus Bechterew ein Testverfahren bewährt, das nach einem bestimmten Erbfaktor sucht, dem sogenannten HLA-B27. HLA ist eine Abkürzung für Humanes Leukozyten Antigen und spielt eine Rolle bei der körpereigenen Abwehr. 95 Prozent der Morbus-Bechterew-Patienten tragen dieses Merkmal, 10 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis und etwa einer von hundert gesunden Menschen. In manchen Fällen muss bei einem geschwollenen Gelenk Flüssigkeit abgesaugt werden. Wurde die Entzündung etwa durch einen Infekt hervorgerufen, kann dies anhand einer Untersuchung der Gelenkflüssigkeit im Labor festgestellt werden.

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9. Was nützt das Schmerzmessen?

Auch das Feststellen der Schmerzstärke gehört zur Diagnostik. Denn die Schmerzmessung ist die Voraussetzung für eine angemessene Behandlung der Schmerzen. Zwar ist Schmerz eine persönliche Empfindung, doch auch diese ist auf einer Skala darstellbar. Die Einteilung auf dem Messstreifen reicht von 0 (kein Schmerz) bis 10 (maximal vorstellbarer Schmerz). Diese Selbsteinschätzung des Patienten ist für den Arzt notwendig, um die richtigen Schmerzmittel auszuwählen und korrekt zu dosieren.

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10. Was kann man gegen entzündliche Gelenkerkrankungen tun?

Sowohl bei rheumatoider Arthritis als auch bei Morbus Bechterew sind Ruhe und Schonung nur bei einem akuten Krankheitsschub nötig, wenn ein Gelenk heiß, geschwollen und entzündet ist. Auch Kälteanwendungen helfen bei akuten Schüben.

Wichtig ist, bei rheumatoider Arthritis so bald wie möglich eine medikamentöse Basisbehandlung einzusetzen, welche die Fehlsteuerung des Immunsystems bekämpft. Denn schon innerhalb der ersten zwei Jahre sind bei den meisten Patienten die Gelenke bereits geschädigt, wenn keine Behandlung erfolgt.

Ebenso wichtig ist aber auch die medikamentöse Schmerzlinderung, weil nur sie körperliche Aktivität ermöglicht. Nur so kann verhindert werden, dass der Patient in eine Passivität verfällt, die zu Kraftverlust führt und den Schmerz noch verstärkt. Bewegungstherapien helfen den Schmerz zu lindern und die Muskulatur, welche die Gelenke stabilisiert, geschmeidig zu halten. Bewegung ist auch für das Knorpelgewebe lebenswichtig, da dieses seine Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit bezieht. Bei jeder Bewegung des Gelenks umspült diese Flüssigkeit die Knorpelschicht und sorgt gleichzeitig für den Abtransport von Abbaustoffen.

Ist der Schmerz extrem stark oder hält er über mehrere Wochen an, muss er mit vielfältigen Strategien angegangen werden. Als Standard hat sich in der Behandlung chronischer Schmerzen die sogenannte „multimodale Schmerztherapie“ durchgesetzt. Dazu gehören unterschiedliche medikamentöse Strategien, die an verschiedenen Orten der Schmerzverarbeitung eingreifen, Akupunktur, die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), sowie Bewegungs-, Verhaltens- und Psychotherapie. Das Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung gestörter körperlicher, seelischer und sozialer Funktionen.

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11. Was sind Basistherapeutika?

Bei rheumatoider Arthritis hat sich – im Gegensatz zu Morbus Bechterew - der Einsatz sogenannter Basismedikamente bewährt. Zu dieser Gruppe zählen unterschiedliche Wirkstoffe, welche die körpereigene Abwehr beeinflussen. Als „Goldstandard“ in dieser Gruppe gilt der Wirkstoff Methotrexat (MTX). Neuerdings kommen auch sogenannte „Biologicals“ zum Einsatz. Das sind biotechnisch hergestellte Wirkstoffe, die gezielt bestimmte Botenstoffe des Immunsystems und somit die Angriffe auf körpereigene Strukturen aufhalten. Sie werden meist mit anderen Basismedikamenten kombiniert.

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12. Welche Schmerzmittel helfen bei entzündlichen Gelenkerkrankungen?

Um aktiv bleiben zu können, sind in der Regel schmerz- und entzündungshemmende Medikamente nötig. Dazu gehören einfache Schmerzmittel, Glukokortikoide, Schmerz- und Entzündungshemmer, sowie Opioide. Bei akuten Schmerzen setzen Ärzte zunächst sogenannte „peripher wirkende Analgetika“ ein. Die Forscher gingen früher davon aus, dass bestimmte Schmerzmittel nur "vor Ort" wirken, aber nicht das Schmerzgeschehen im Gehirn beeinflussen. Inzwischen weiß man, dass auch diese Substanzen die Schmerzverarbeitung im Gehirn verändern.

Das am schwächsten wirksame Medikament der ersten Wahl aus dieser Gruppe ist Paracetamol. Dieses kann zur Bekämpfung leichter Schmerzen eingesetzt werden. Allerdings ist es bei entzündlichen Gelenkerkrankungen deutlich weniger wirksam als Nichtsteroidale Antirheumatika oder Coxibe.

Glucocorticoide sind Hormone, die von der Nebennierenrinde hergestellt werden und viele Funktionen haben. Dazu zählt das Cortisol, das im Volksmund fälschlicherweise als Cortison bezeichnet wird. Unter anderem dämpfen die Glucocorticoide Entzündungen und körpereigene Abwehrreaktionen. Sie haben aber auch Nebenwirkungen, vor allem bei hoher Dosierung. Experten empfehlen daher entweder eine hochdosierte, kurzfristige oder niedrig dosierte Langzeittherapie. Es gibt Hinweise, dass eine ein- bis zweijährige niedrig dosierte Therapie mit Glucocorticoiden in Kombination mit Basismedikamenten die Gelenkzerstörung aufhalten kann. Nutzen und Risiko müssen aber gründlich abgewogen werden.

Die sogenannten „Nichtsteroidale Antirheumatika“, abgekürzt NSARs, wirken sowohl schmerz- als auch entzündungshemmend. Zu dieser Gruppe gehören Acetylsalicylsäure und ihre Abkömmlinge wie Diclophenac, Ibuprofen oder Naproxen. Indem sie bestimmte Enzyme hemmen, unterdrücken sie die Produktion körpereigener Schmerz- und Entzündungsstoffe, sogenannter Prostaglandine. Weil Prostaglandine aber auch andere wichtige Funktionen haben, sind sie für Patienten mit Herz- und Nierenproblemen nicht geeignet. Sie erhöhen das Herzinfarkt - und Schlaganfallrisiko. Auch kann die Einnahme von NSARs Nebenwirkungen an der Magen- und Darmschleimhaut hervorrufen, beispielsweise Magengeschwüren oder -blutungen. Die Anfälligkeit hierfür steigt bei gleichzeitiger Einnahme von Glucocorticoiden und bei älteren Menschen.

Eine Alternative sind die sogenannten Coxibe. Diese Wirkstoffe hemmen gezielt ein ganz bestimmtes Enzym und halbieren - zumindest für einen Zeitraum von sechs Monaten - die Nebenwirkungen auf den Magen-Darmtrakt. Doch auch diese Arzneigruppe ist bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße, bei Durchblutungsstörungen der Arme und Beine und nach einem Schlaganfall nicht geeignet. Coxibe sollten nur kurzfristig und niedrig dosiert eingenommen werden, denn auch sie erhöhen das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Es ist daher wichtig, für jeden Patienten persönliche Risiken abzuwägen.

Standardisierte Extrakte aus Weidenrinde, der Wurzel der Teufelskralle oder Brennnesselblättern können – ergänzend eingesetzt – ebenfalls sinnvoll sein. Denn auch diese pflanzlichen Arzneimittel beeinflussen Schmerz und Entzündung. Allerdings tritt ihre Wirkung nicht sofort ein. Werden diese Präparate ergänzend zu entzündungshemmenden Mitteln eingenommen, kann eventuell deren Dosis herabgesetzt werden.

Bei starken chronischen Schmerzen und wenn Patienten NSAR und Coxibe nicht vertragen, kommen die Opioide, Morphin und seine Abkömmlinge, zum Einsatz. Ihre Schlagkraft verdanken sie ihrer Fähigkeit, sich an die Bindungsstellen für die körpereigenen Schmerzhemmer anzudocken. Ziel der Therapie ist es, den Schmerz rund um die Uhr in Schach zu halten. Bei den sogenannten „retardierten Arzneiformen“ ist die Wirksubstanz so „verpackt“, dass sie kontinuierlich freigesetzt wird und der Wirkstoffspiegel im Blut konstant bleibt. Die Tabletten, Kapseln oder Pflaster werden nicht nach Bedarf, sondern nach einem strikten Zeitplan eingesetzt. Das verhindert, dass der Wirkstoff plötzlich anflutet und der dadurch entstehende „Kick“ zu psychischer Abhängigkeit führt.

Allerdings helfen Opioide nicht allen chronischen Schmerzpatienten. Langfristig bewirken sie nur bei der Hälfte der Patienten eine deutliche Schmerzerleichterung. Auch haben sie Nebenwirkungen. Müdigkeit, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Juckreiz und Probleme beim Wasserlassen können auftreten. Einige dieser Nebenwirkungen bessern sich aber meist im Lauf der Behandlung.

Es gibt schwächer und stärker wirksame Opioide. Zu den schwächer wirksamen Medikamenten gehören Codein, Dihydrocodein, Tilidin in Kombination mit Naloxon, sowie Tramadol. Wenn nötig, wird der Arzt das verordnete Opiat mit peripher wirkenden Schmerzmitteln oder anderen Substanzen. Auch Capsaicin-Pflaster oder Antidepressiva unterstützen die Schmerzbekämpfung. Erzielen schwach wirksame Opioide nicht die erwünschte Linderung, wird der Arzt ein stark wirksames Opioid verschreiben. Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Buphrenorphin und Fentanyl unterliegen der sogenannten Betäubungsmittelverschreibungsverordnung. Der Arzt muss hierfür ein spezielles Rezept ausschreiben. Auch hier kann er zusätzlich die oben genannten Arzneien hinzuziehen, die an anderen Orten der Schmerzverarbeitung eingreifen. Medikamente gegen Depressionen beispielsweise bremsen die Weiterleitung von Schmerzimpulsen und beeinflussen die körpereigene Schmerzhemmung.

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13. Wann helfen Spritzen in die Gelenke?

Bei rheumatoider Arthritis und bei Morbus Bechterew kann - manchmal auch verbunden mit der Absaugung von Flüssigkeit - durch das Einspritzen von örtlichen Betäubungsmitteln in das Gelenk der Schmerz gelindert werden. Wegen des grundsätzlich bestehenden Infektionsrisikos sollte das gespritzte Gelenk drei bis fünf Tage nach der Injektion kontrolliert werden. Wichtig ist auch, dass die Injektion mit Bewegungs- und Entspannungstherapie kombiniert wird, da sie nur kurzfristig wirksam ist. Beim Hüftgelenk raten Experten von einer Injektion ab, da der Hüftkopf geschädigt werden könnte.

Helfen weder Medikamente noch Cortisolspritzen, kann vor allem bei rheumatoider Arthritis die sogenannte Radiosynoviorthese Schmerz und Entzündung reduzieren. „Synovia“ heißt auf Griechisch „Gelenkflüssigkeit“. Bei der Radiosynoviorthese (RSO) spritzt der Arzt ein kurzlebige radioaktive Substanz in den Gelenkspalt. Die benachbarte Gelenkinnenhaut bildet die Gelenkflüssigkeit, die dem knöchernen „Scharnier“ als „Schmiere“ dient. Die radioaktiven Teilchen setzen bei ihrem Zerfall Strahlen frei, die nur wenige Millimeter tief in das Gewebe eindringen. Nach einer guten Woche ist die radioaktive Strahlung restlos abgeklungen. Die verdickte Gelenkinnenhaut schrumpft und vernarbt zunächst, bildet sich dann aber wieder auf ihre ursprüngliche Dimension zurück. Bei 40 bis 80 Prozent der Patienten bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Monate. Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Einblutungen in das Gelenk oder Gelenkentzündungen muss die RSO wegen der Strahlenbelastung unterbleiben.

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14. Welche Bewegungstherapie ist wirksam?

Passive physiotherapeutische Maßnahmen wie Massage, Fango oder Wärme- und Kältebehandlung, Hydrotherapie, manuelle Therapie, Elektrotherapie und Ultraschall spielen in der Behandlung von rheumatoider Arthritis und Morbus Bechterew eine wichtige Rolle.

Sobald dies möglich ist, sollten aber Menschen mit entzündlichen Gelenkerkrankungen in die aktive Phase übergehen. Denn Bewegung erhält Muskeln, Sehnen und Gelenke aktiv und unterstützt die Ausschüttung körpereigener Schmerzhemmstoffe.

Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen haben sich Bewegung in warmem Wasser und Tai Chi, das chinesische Schattenboxen, besonders bewährt. Der chinesische Volkssport mit seinen fließenden Bewegungen und entspannenden Anteilen fördert Beweglichkeit und Lebensfreude.

Auch gezielte gymnastische Übungen, welche die Beweglichkeit von Wirbelsäule und Gelenken unterstützen und die Rückenmuskulatur stärken, können die Versteifung verzögern. Ob Radeln, Walking, Wassergymnastik, Schwimmen, Yoga, Qigong oder Tai-Chi: Art und Umfang der Bewegung müssen an persönliche Vorlieben, die Belastungsfähigkeit des Patienten, sowie an den Zeitpunkt der Erkrankung angepasst sein. Nicht in jeder Phase ist ein Patient gleich stark belastbar.

Bei älteren Patienten reicht schon flottes Spazierengehen aus, um die Schmerzen zu lindern. Im Mittelpunkt sollte nicht die „Bekämpfung“ des Schmerzes stehen, sondern die Lebensfreude. Ballsportarten, Squash oder Alpinskifahren sind für die Gelenke belastend und weniger empfehlenswert.

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15. Welche medizinischen Maßnahmen gibt es außer Medikamenten?

Akupunktur, Akupressur und Osteopathie haben sich in der Schmerztherapie inzwischen gut etabliert. Bei rheumatoider Arthritis konnte jedoch bislang keine Wirksamkeit der Akupunkturbehandlung nachgewiesen werden. Die Kosten werden daher nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) gehört ebenso wie die Akupunktur zu den so genannten gegenirritativen Verfahren. Es werden Elektroden auf die Haut geklebt, die niederfrequente Wechselströme aussenden und dadurch ein sanftes Kribbeln erzeugen. Die Stromreize „übertönen“ die Schmerzreize und führen so zur Schmerzlinderung.

Ob naturheilkundliche Verfahren wie Hydro-, Thermo- oder Atemtherapie, Homöopathie oder fernöstliche Methoden wie Qigong, Akupressur oder Yoga - es gibt ein kaum überschaubares Angebot an ergänzenden Behandlungsmethoden, die im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie nützlich sein können. Einige davon gehören bereits zu einem umfassenden Behandlungskonzept. Andere sind komplementäre, also ergänzende Verfahren. Sie können im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie die Lebensqualität positiv beeinflussen und spielen vor allem bei der Vorbeugung von Schmerzen eine wichtige Rolle. Sie ersetzen jedoch nicht die tragenden Elemente der Schmerzmedizin: Medikamente, Bewegungs- und Verhaltenstherapie.

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16. Welche verhaltensmedizinischen Maßnahmen gehören zur multimodalen Schmerztherapie?

Verhaltensmedizinisches Training ist genauso wichtig wie körperliches Training. Denn Dauerschmerz ist das Ergebnis eines dynamischen Lernprozesses, an dem Körper und Seele gleichermaßen beteiligt sind. Deshalb muss die Psyche in die Behandlung chronischer Schmerzen ebenso einbezogen werden wie der Körper. Das Ziel ist es, Gewohnheiten aufzudecken, welche den Schmerz verstärken und stattdessen gesundheitsförderndes Verhalten zu erlernen. Dazu gehört der Abbau von Vermeidungs- und Schonungsverhalten, sowie von Angst. Diesen Plan verfolgen Ärzte und Therapeuten anhand spezieller Patientenschulungen, Verhaltenstherapie und Entspannungsübungen.

Für Menschen mit entzündlichen Gelenkerkrankungen ist das Gleichgewicht zwischen Ruhe und Bewegung wichtig, um einerseits die Entzündungsprozesse in Schach zu halten, aber dennoch die Beweglichkeit zu bewahren. Diesen Ausgleich können Meditationstechniken begünstigen. Wissenschaftlich erforscht ist beispielsweise das Achtsamkeitstraining. Im Rahmen dieses Konzepts helfen meditative Übungen, die Wahrnehmung nach außen und innen zu schulen und die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Auch das soziale Umfeld wird im Rahmen der multimodalen Therapie erkundet. Hat der Patient das Gefühl, in der Familie oder am Arbeitsplatz zu wenig mitbestimmen zu können, werden Lösungsvorschläge gesucht. Ergotherapeutische Schulungen sollen helfen, gelenkschonende Bewegungsabläufe zu erlernen und damit die Lebensfreude im Alltag und am Arbeitsplatz zu steigern. Ist dies wegen körperlicher Überlastung nicht möglich, gehört eine Umschulung zum Behandlungsplan.

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17. Welche Ernährung wirkt sich günstig aus?

Menschen mit entzündlichen Gelenkerkrankungen sollten nicht mehr als zwei Portionen fettreiches Fleisch oder Wurst pro Woche zu sich nehmen. Spezialisten empfehlen eine mediterrane oder auch lacto-vegetabile Kost: Sie ist reich an Obst, Gemüse, Getreide- und Milchprodukten. Entzündungsfördernde Botenstoffe das Körpers werden aus Arachidonsäure, einer vierfach ungesättigten Fettsäure, gebildet. Diese kommt in tierischen, nicht aber in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Obst oder Gemüse sollte daher idealerweise fünf mal pro Tag auf den Tisch kommen. Das entspricht etwa 400 Gramm Gemüse und 250 Gramm Obst. Doppelt nützlich machen sich pflanzliche Lebensmittel, die zu den sogenannten Antioxidantien gehören, also reich an den Vitaminen E und C sowie an Beta-Carotin sind. Die Oxidationshemmer verhindern die Reaktion von Luftsauerstoff mit anderen Chemikalien und hemmen so unter anderem die Entstehung entzündungsauslösender Substanzen. Sie sind beispielsweise in Zitrusfrüchten, Nüssen, Sonnenblumenkernen, Brokkoli, Tomaten, Knoblauch und grünem Tee enthalten. Makrele, Lachs und Hering, sowie Soja-, Raps-, Walnuss- und Leinöl enthalten besonders viele Omega-3-Fettsäuren. Auch diese hemmen die Produktion der entzündungsfördender Stoffe. Darum sollte zweimal pro Woche Seefisch auf dem Speiseplan stehen.

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18. Sind Nahrungsergänzungsmittel empfehlenswert?

Spezielle Diäten, Vitaminkuren oder synthetische Antioxidantien können keine Wunder bewirken. Am meisten profitieren in der Regel die Anbieter, nicht aber die Patienten.

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19. Was kann man bei rheumatoider Arthritis operativ erreichen?

Können die Gelenkfunktionen erhalten bleiben und die Schmerzen annehmbar gelindert werden, raten Spezialisten von Operationen ab. Ist dies nicht der Fall, kann es im frühen Stadium sinnvoll sein, die erkrankte Gelenkinnenhaut zu entfernen. Der frühzeitige Eingriff beugt der Gelenkzerstörung vor und verhindert, dass das wuchernde Gewebe Folgeschäden verursacht. Ist das Gelenk schon zerstört, kann es in manchen Fällen auch entfernt werden. Diese sogenannte Gelenkresektion kommt vor allem bei den Fußgrundgelenken zum Einsatz. Eine weitere Möglichkeit, den Schmerz operativ zu lindern, ist die Gelenkversteifung. Das erkrankte Gelenk wird entfernt, die Knochenstümpfe in einer für die Funktion günstigen Stellung aufeinander fixiert. Sind wenige Gelenke betroffen, setzen Ärzte dieses Vorgehen an den Fingern ein. Ist die Handwurzel erkrankt, kann der Chirurg einen Teil des Gelenkes entfernen, die entstandene Schädigung wird mit körpereigenem Gewebe aufgefüllt. Künstliche Gelenke setzen Chirurgen bei rheumatoider Arthritis schon bei relativ jungen Menschen ein, um andere Gelenke zu entlasten.

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20. Was kann man bei Morbus Bechterew operativ erreichen?

In schweren Fällen von Morbus Bechterew kann nur noch der Ersatz eines Hüftgelenks die Schmerzen lindern und die Funktion des betroffenen Gelenks wiederherstellen. Verursacht die Rückenhaltung starke Schmerzen oder ist die vorgebeugte Wirbelsäule so stark versteift, dass der Patient nicht mehr nach vorne blicken kann, kann eine Aufrichtungsoperation unvermeidlich sein.

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